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Die Dorfkirche


06.04.2008

Inhalt:


Unterseiten:

  1. Die erbauliche Geschichte vom schurkischen Schulzen und dem armen Anton, dem von einem pfiffigen Pfarrer aus der Maleste geholfen ward

  2. Mein Konfirmationsspruch

  3. Kirchliche Tätigkeit in der DDR-Gesellschaft
    1. Rechtliche Stellung
    2. Religiöse Erziehung
    3. Kirchen und Medien
    4. Mitarbeit in der Ökumene
    5. Finanzierung der Kirchen

Literatur:



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Bilder:

Abb. 1: Goldene Konfirmation meiner Schulklasse am 14. Mai 2006


Abb. 2: Der "Galgen"


Abb. 3: Schlussstein des Hauptportals


Abb. 4: Altar und Kanzel der Kirche am Erntedankfest


Abb. 5: Kirche und Parkteich


Abb. 6: Kirche, Park und Schafhof


Abb. 7: Der Kirchturm von der Obergasse gesehen


Abb. 8: Grabsteine des alten Friedhofs an der Friedhofsmauer


Abb. 9: Einzelner Grabstein des alten Friedhofes


Abb. 10: Der ehemalige Patronatsstand und die Kanzel der Kirche


Die Kirche war früher einer der  Mittelpunkte des Dorflebens. Der Pfarrer als Respektsperson, gehörte zu jeder größeren Familienfeier, wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung - nun ja, auch die Beerdigung als Totenfeier endete oft ausgelassen, es wurde getrunken (das Fell des Toten versoffen), danach kamen die lustigen Anektoden aus dessen Leben und zum Schluss auch Witze - obwohl den nächsten Angehörigen selten zum Lachen war... Wie gesagt, der Besuch des Pfarrers war für die Familien vor allem als Wertschätzung wichtig - und fast jede Familienfeier war ja auch eine religiöse Feier.
Und als Konfirmand war man stolz, dass man nun auch in die Kirche gehen konnte (musste) - endlich zählte man fast zu den Erwachsenen. Die Konfirmation war dann die öffentliche Bekundung: ich bin kein Kind mehr - obwohl das in den seltensten Fällen biologisch noch geistig wahr war. Doch inzwischen bin ich wieder dankbar, dass ich nach fünfzig Jahre und der Feier der Goldenen Konfirmation (sh. Abb. 1) noch immer so kindischen Vergnügungen wie Basteln von Websites anhängen kann.
So habe ich nach der Konfirmation mit Schusters Günther (Günther Gerstung) meine erste Zigarre auf dem Galgen, nach Oechsen hin gelegen, geraucht. Und so fühlte ich mich dann auch - wie am Galgen (sh. Abb. 2) , ich war für Jahre vom Drang zum Rauchen geheilt. Angesichts der Jammergestalt, die zu Hause grün im Gesicht ankam, war die Reaktion der Eltern äußerst verhalten. Mein Vater war wohl mit der selbst erteilten Lektion sehr d'accord: Wozu noch Moral predigen, meine Strafe hatte ich mir ja bereits selbst verpasst.

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Die Frömmigkeit der Rhöner Bauern war eine sehr diesseitige. Der Glaube äußerte sich in der Einhaltung bestimmter religiöser Regeln und Bräuche, die ein Dorf zusammenhielten. Auch wenn in der DDR-Periode die Bedeutung der Kirche stark zurückging, in meiner Jugend hatte sie für uns noch eine wichtige integrierende Funktion. Sie war jedoch mehr Hüter der Gewohnheiten als ein Ort religiöser Erbauung. Wesentlicher Antrieb für den Willen nach  Einhaltung kirchlichen Brauchtums war die Scheu, sich außerhalb der Gemeinschaft zu stellen. Religiöser Übereifer jedoch wurde eher belächelt, wenn nicht gar als ein Überhebenwollen über die Gemeinschaft missbilligt. Gott war der Allmächtige über das Leben der Menschen, der Tiere und der Saaten. Er machte das Wetter, teilte das Schicksal zu, belohnte die Guten und bestrafte die Bösen. Er tat das nicht aus Willkür sondern man erwarb sich durch Erfüllung seiner irdischen und religiösen Pflichten ein Recht auf Gottes Unterstützung - "Hilf die selbst, so hilft dir Gott." Blieb allerdings Gottes Hilfe aus, so glaubte man das selbst verschuldet zu haben und fand meist auch irgendeinen Grund dafür, denn natürlich wurde nicht immer jede Pflicht buchstabengetreu erfüllt.
Bei dieser Einstellung war ein Dorf ohne Kirche undenkbar. Auf dem Schlussstein des Hauptportals der Kirche von 1765 ist die Inschrift (Lukas12. Vers.32) zu lesen (sh. Abb. 3):

"fürchte dich nicht du kleine heerte
CI BH DOS fOX Anno 1765"
»Sei ohne Angst, du kleine Herde!
Euer Vater will euch seine neue Welt schenken!«

Zu dieser Zeit hatte dieser Spruch ganz sicher seine Berechtigung: das Gemeindeleben begann sich nach dem dreißigjährigem Krieg und dem darauf folgenden Jahrhundert seelischer Verwahrlosung (wie an den Hexenprozessen und dem Räuberunwesen zu ersehen ist) endlich zu stabilisieren. Die Herde der Engagierten und Furchtlosen, die eine neue geordnete Welt aufbauen wollten, dürfte wahrlich noch nicht allzugroß gewesen sein.
Die erbauliche Geschichte vom schurkischen Schulzen und dem armen Anton, dem von einem pfiffigen Pfarrer aus der Maleste geholfen ward, ein Märchen aus der Vorderrhön, soll als Beispiel für den pragmatischen Glauben des Rhönbauern stehen (sh. rechte Spalte, Unterseite 1)

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Eine Kirche als religiösen Mittelpunkt hat es wahrscheinlich schon früh in unserem Dorf gegeben. Dafür spricht auch der in der Kirchenchronik überlieferte, das Jahr 1506 betreffende Hinweis, wonach Ludwig von Boineburg nach Inbesitznahme der Wüstung Gehowes (dem heutigen Gehaus) und später seine Söhne "... Land gerottet und Kirche und Pfarrhaus erbauten".
Nach Knips' "Amtsgeschichte" ist die heutige Kirche auf dem Boden einer bis dahin bereits bestehenden und eigens für den vorgesehenen Kirchenneubau abgerissenen "Filialkapelle" erbaut worden. Wenn das stimmt, so dürfte es sich bei dieser Filialkapelle mit aller Wahrscheinlichkeit um den in der Kirchenchronik o. a., vermutlich um die Mitte des 16. Jh. entstandenen ersten Gehauser Kirchenbau handeln und bei dem heute im Altarraum aufgestellten Taufstein aus dem Jahr 1577 möglicherweise um den ältesten Taufstein der Gehauser christlichen Gemeinde .
Dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges war sicher die Ursache, dass der geplante Kirchenneubau, wegen der rasch wachsenden Bevölkerung inzwischen dringend notwendig geworden, vorerst nicht zustande kommt.
Mehr als 100 Jahre noch müssen ins Land gehen, bevor am 22. Mai 1765 der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt wird. Die Jahreszahl ist in den Schlussstein am Ostportal eingemeißelt. Wie überliefert, predigt der damalige Pfarrer Christian Borchardt vor einer großen festlichen Gemeinde über den Bibeltext 1. Moses, Kap. 28, Vers 18 - 22:
Früh am Morgen stand Jakob auf. Den Stein, auf dem er gelegen hatte, stellte er als Steinmal auf und goß Öl darüber, um ihn zu weihen. Er nannte die Stätte Bet-El, d.h. Haus Gottes; vorher hieß der Ort Lus. Dann legte Jakob ein Gelübde ab: »Wenn der Herr mir beisteht«, sagte er, »und mich bewahrt auf der Reise, die ich jetzt antrete, wenn er mir Nahrung und Kleidung gibt und mich wohlbehalten wieder nach Hause zurückbringt, dann soll er alleine mein Gott sein. Hier an dieser Stelle, wo ich den Stein aufgestellt habe, soll dann ein Heiligtum für ihn errichtet werden. Von allem Besitz, den er mir schenken wird, werde ich ihm den zehnten Teil geben.«
Für Pfarrer Borchardt sicherlich ein guter Anlass und eine fromme Begründung, die Gehauser an die notwendige Abgabe des Kirchenzehnten zu erinnern!
Das Baumaterial, die Sandsteinblöcke also, entnimmt man der Region des an den alten Friedhof angrenzenden hinteren Schlossgartens. Was sonst an Steinen noch fehlt, wird aus der Feldflur herangeschafft.
Bauleiter ist Valentin Nordheim aus dem Dorf. Die Fenster stammen aus einer Glaserei in Weilar, die Zimmerleute sind Wölferbütter und die Dachziegeln "... sind in einer Hütten in Völkershausen gemacht". Das neue evangelische Pfarrhaus, etwa zur gleichen Zeit wie die Kirche errichtet und gegenüber dem Standort der alten Pfarrei zum Park hin versetzt, wird von einem Zimmermann Gabert aus Geisa gebaut.
Als die Gehauser 1767 ihre neue Kirche einweihen, haben sie sich selbst damit ein Denkmal gesetzt. Die Jahreszahl der Einweihung ist in dem kupfernen Wetterhahn auf der Turmspitze verewigt.
Erstmals im Herbst 1777 begleitet die von Thielemann Müller in Bad Salzungen gebaute Orgel den Gesang der Kirchgemeinde.

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Als Baudenkmal ist die Kirche mit ihren festungsartigen Mauern, dem mächtigen, 27 Meter hohen Turm und dessen 8-eckiger Schweifkuppel ein einfaches, in romanischem Stil errichtetes Bauwerk, mit dem Hauptportal an der Ostseite als einzigem Schmuck.
Fast schmucklos auch das in schlichtem Barockstil gestaltete Kircheninnere, mit seinen 2-geschossigen Emporen, der Orgelempore und dem Altarraum. In der Einfachheit des braun gebeizten Gestühls und der Emporenbrüstung, ohne künstlerisches Beiwerk und architektonische Besonderheit, ist sie auch heute noch die schlichte Dorfkirche von einst.
Die Glockenstube mit dem mächtigen Balkenwerk und den vier gotischen Lichtöffnungen beherbergt ein Trio von Glocken: die kleine, inzwischen ausgediente Klängelglocke, die älteste und größte aus dem Jahr 1634 sowie deren seit 1939 über unseren Dächern dröhnende jüngere Schwester. Seit 1934 sorgt ein Elektromotor für den nötigen Schwung und auch dafür, dass der von vielen Gehauser Generationen traktierte Blasebalg endgültig ausgedient hat.
1934 wird erstmals (?) die unter dem Altarraum befindliche Gruft geöffnet. Sie enthält Reste menschlicher Skelette, den Schädel eines Hundes, einen Kerzenhalter, Porzellanscherben sowie die mysteriöse "blaue Perle", die sich später jedoch als weniger kostbare Bernsteinperle herausstellt. Die Gruft, mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits unter der alten Filialkapelle angelegt, ist Ruhestätte und zugleich Erbbegräbnis der ersten in Gehaus ansässigen Boineburgs.

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Bereits 1920 schon einmal geöffnet, wird das Innere des Turmknopfs 1972 anlässlich einer Dachreparatur nochmals ans Licht des Tages gebracht. Was man wieder vorfindet, sind die wenigen alten Münzen aus den Jahren 1760 bis 1868 daneben jene Urkunde aus dem Jahr 1818, in der man den Versuch einer Deutung unseres Ortsnamens macht.
Da wird zunächst Gehaus von dem Wort "Kuhhaus" abgeleitet, eine sicherlich unzutreffende Interpretation. Verständlicher dagegen eine Auslegung, die in der Vorsilbe "Ge" eine Sammelbezeichnung sehen will, in der sich eine Mehrzahl von Gegenständen ausdrückt. So wie nämlich aus den Worten "Busch" Gebüsch und aus "Wasser" Gewässer geworden sind, So könnte vielleicht nicht zu Unrecht, als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Häusern aus "Haus" auch Gehaus entstanden sein. Woher tatsächlich aber unser Name stammt und wie aus den urkundlich überlieferten Namen Gehusen, Gohhusa, Gehowes, Gehäuß schließlich Gehaus geworden ist, darüber müssen sich die Namensforscher schon den Kopf zerbrechen.
Zwei weitere im Turmknopf deponierte Urkunden aus den Jahren 1920 und 1950 sind Zeitdokumente aus den Jahren nach dem 1. und 2. Weltkrieg. Sie werden uns an anderer Stelle noch begegnen.
Am 28.6.1818 während des Nachmittag-Gottesdienstes zerstört ein schweres Gewitter die Westseite des Turmes und beschädigt Kirchendach und Kirchturmsuhr. Schiefer und übriges Material müssen unter schwierigen Umständen herangeschafft und die Reparatur des Schadens mit 85 Reichstalern von der Kirchgemeinde zudem teuer bezahlt werden.
Nach einer Innenrenovierung im Jahr 1893 und wiederholten Reparaturen am Turm, geht man 1967 daran, das Kircheninnere unter Mitwirkung eines Restaurators aus Halle auf eigene Kosten gründlich zu überholen. Nach Abschluss wird die neu renovierte Kirche am 8.9.1968 unter Teilnahme des Landesbischofs Mietzenheim in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht.

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Noch als zahlenmäßig kleine Gemeinde erlebt unser Dorf die Zeit Martin Luthers und die Reformationszeit. Die Boineburgs, die lutherischer Glaubenslehre und dem Geist der Reformation eng verbunden sind, bewirken, dass sich ab 1528, und das heißt lange schon vor der Reformation, die Tore evangelischer Glaubens- und Religionsausübung öffnen.
Wann Gehaus reformiert worden ist, weiß man nicht genau zu sagen, wohl aber, dass die Reformation von den Hennebergern zu uns gekommen ist. Dort ist es Georg Ernst von Henneberg, der 1544 die Augsburger Konfession (grundlegende lutherische Bekenntnisschrift, von Melanchthon verfasst und 1530 auf dem Augsburger Reichstag Kaiser Karl V. überreicht), annimmt, bereits 1543 aber schon damit beginnt, zusammen mit Dr. Johann Forster die Henneberger Grafschaft zu reformieren. Das heißt, Kirchen mit evangelischen Pfarrern und Schulen mit evangelischen Lehrern zu besetzen.
Für Gehaus ist der Zeitraum der Reformation von 1545 bis 1550 wahrscheinlich. Die Bezugnahme in einer Weilarer Kirchenurkunde aus dem Jahr 1558 auf einen Pfarrer in Gehaus (leider ohne Angabe des Namens) dürfte dagegen mit der Einführung kaum etwas zu tun haben.
1570 leitet Fürstabt Balthasar von Dermbach auf dem Thron der Fuldaer Äbte unter Assistenz von 24 Jesuiten die Gegenreformation ein. Die reformierte Ritterschaft, darunter die Boineburgs, die Ritter v. d. Tann, v. Mansbach, v. Gersfeld u. a. m. nehmen dessen gewaltsamen Erneuerungsversuche nicht stillschweigend hin. Sie erzwingen vielmehr seine Abdankung und Verbannung in ein 17-jähriges Exil, aus welchem er durch kaiserliches Dekret erst 1602 wieder auf seinen fürstlichen Stuhl zurückkehrt.
Sein Ziel, die Reformation rückgängig zu machen, setzt er innerhalb seines Herrschaftsbereichs mit unversöhnlicher Härte durch. Er kann sich dabei auf Reichsrecht, den s. g. Augsburger Religionsfrieden von 1555 berufen, demzufolge der Landesfürst die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen bestimmt. Manch eine der ihres evangelischen Glaubens wegen von Haus und Hof vertriebenen Familien aus dem Geisaer Amt mag damals auch im Amt Lengsfeld Zuflucht und unter den Boineburgs Schutz vor religiöser Verfolgung gefunden haben.
Fuldaschem Befehl zufolge werden Tanz- und Jahrmarktsveranstaltungen an Sonn- und Feiertagen verboten.
Am 10.3.1628 erscheinen fuldasche Abgesandte und zeigen den Boineburgs an, dass die katholische Religion wieder einzuführen sei, die evangelischen Prädikanten die Wohnungen zu räumen und die sie begleitenden Pfarrherrn, Kirchendiener und Schulmeister aus Lengsfeld, Weilar und Gehaus wieder den katholischen Gottesdienst zu versehen hätten.
Die Boineburgs protestieren und machen die angeordneten Maßnahmen später wieder rückgängig. Aber erst ab 1630 bleibt auch Gehaus, nachdem durch kaiserlichen Erlass die Gegenreformation in den reichsritterschaftlichen Ämtern untersagt ist, wie die anderen Orte des Amtes endgültig lutherisch. Aus der Zeit der Gegenreformation sind uns aus unserem Dorf als Pfarrer die Namen Hartung Kessler (1602 -1620) und Konrad Mylius (1621 - 1628) überliefert.
Aus Anlass der 300-jährigen Wiederkehr der Reformation und entsprechend einer Order des Weimarer Großherzogs Carl-August feiert das Dorf, wie alle Gemeinden des Großherzogtums, 1817 (31.10.) das 3-tägige Reformations-Jubelfest mit Kirchen- und Schulfeiern sowie einen großen Festumzug. Da die Pfarrstelle verwaist ist, formiert sich der Umzug zur festlich geschmückten Kirche vor dem Haus des Schultheißen Georg Adam Hoßfeld. Jedes Schulkind erhält zur Erinnerung das "Jubelbüchlein für die liebe Schuljugend".
Den 400-jährigen Geburtstag des Reformators begeht das Dorf 1883 mit der Einweihung des "Luthergartens" (Luthereiche). Das Gedenken an den Reformator im Lutherjahr 1983 soll die "Luther-Linde" bewahren, die der Gärtner Paul Hermann am 10.11.l983 im Beisein von Pfarrer Kister und einer kleinen Gemeinde am Friedhof als jungen Stamm in die Erde pflanzt.
Von Anfang an sind die Boineburgs die Patronatsherren der Kirche, die in wichtigen kirchlichen Angelegenheiten (z.B. Berufung u. Abberufung von Pfarrern) ein entscheidendes Wort mitreden. Ihr wirtschaftliches Engagement für die Kirche scheint sich dagegen in Grenzen zu halten. So muss die Gehauser Kirchgemeinde wohl auch die 1820 von den Grafen geliehenen 400 Gulden auf Heller und Pfennig wieder zurückzahlen. Die Kirchenchronik vermerkt eine Spende der Boineburgs von 50 Mark anlässlich des 100-jährigen Kirchenjubiläums 1867 für die Anschaffung einer neuen Altar-, Kanzel- und Taufsteinbekleidung.
1967 wird der für die gräfliche Familie ehemals an der Nordseite gelegene Zugang zur Kirche zugemauert sowie die zu dessen Eingangstür führende Steintreppe beseitigt. Ebenso verschwindet das hölzerne Kreuzgitter am Patronatsstand, diesem der Kanzel benachbarten, einmal mit Polstersesseln ausgestattetem Refugium der Boineburgs und vom übrigen Kirchenvolk getrennt, über Jahrhunderte Ort eigener und höchstpersönlicher gottesdienstlicher Erbauung. Wie ja auch ihr Kirchenweg, isoliert von der übrigen Gemeinde, durch Mauerpforten hindurch direkt vom Schloss zur Kirche führt.

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Dass es auch Widerstand gegen den Kirchenpatron gibt, zeigt die Klage des Christian v. Boineburg aus dem Jahr 1686 gegen den in Lengsfeld amtierenden Pfarrer Tobias Wellich, der es auf sich nimmt, seinem Kirchenherrn das Heilige Abendmahl zu verweigern und dafür auch in einem uns überliefertem Schriftzeugnis die ausführliche Begründung liefert.
Überhaupt scheint man es mit seinen Pflichten als Kirchenherr nicht immer so genau zu nehmen.
Im Aug. 1700 wendet sich der damalige Pfarrer Johann Friedr. Rübner wegen des schlechten Besuchs der Katechismusstunden an das Boineburgsche Konsistorialamt in Lengsfeld und empfiehlt in seinem Schreiben die Androhung strenger Strafen gegen die Säumigen. Weil keine Antwort erfolgt, sieht er sich veranlasst, jetzt mit dem dringlichen Hinweis auf die Gefahr des die Jugend bedrohenden "Satans", 1703 seine Eingabe zu wiederholen. Ob sich die "Wohlerwürdigen und Großachtbaren" nach dreijährigem Schweigen dieses Mal seiner Sorgen annehmen, ist leider nicht überliefert.
Ihres besonderen Gegenstandes wegen wollen wir uns eine andere Art Eingabe an die hohen Patronis in Lengsfeld aus dem Jahr 1742 nicht vorenthalten. Sie richtet sich, erstaunlich genug, gegen die Person des Pfarrers Johann Friedr. Weber, dem wir später noch einmal in einer etwas außergewöhnlichen Situation begegnen werden.
Da missfällt offenbar einigen ehrbaren Gehausern nicht die Art, wie er sein Predigeramt wahrnimmt. Man wirft ihm "ungeistliches Verhalten" vor, seine Gottesdienste seien wegen der dort herrschenden Zustände (vermutlich durch jugendliche provozierte Unruhe) ein "Ärgernis" für die Gemeinde und überhaupt habe er ein "bös und rachgierig Gemüt". Was weiterhin nicht entschuldbar sei, dass er sich auf Hochzeiten seines Wamses entledige.
Das vom Konsistorialamt angeforderte Protokoll, das schließlich auch noch Anschuldigungen wegen
· "in der Kinderlehr gebrauchten ohngebührlichen Reden und Expressiones"
enthält, ist von den Zeugen Johann Bischof, Heinrich Walther, Nikolaus Müller, Christian Huhnstadt und Johann Wiegand unterschrieben.
Wie man mit der Anklage verfahren ist, darüber schweigen sich die Marburger Archivalien aus.

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Hinter der Kirche, vom Pfarrgarten über eine kleine Steintreppe erreichbar und zum Schloss hin durch eine Mauer getrennt, liegt der alte Friedhof unseres Dorfes, von der Zeit längst eingeebnet, mit namenlos zurückgebliebenen, zerbrochenen und halbverwitterten Grabsteinen als Zeugen, aus längst vergangenen Tagen. Einer davon gibt gerade noch den Namen des Just Heinrich Baumbach frei, gestorben 1807, von Beruf Ackermann und Weber. Das Grab liegt als eines der letzten unmittelbar an der Kirchenmauer. Ein sicherer Hinweis darauf, dass anstelle des alten, für das Dorf zu klein gewordenen Friedhofs, der neue, unser heutiger Friedhof, etwa zur gleichen Zeit, also um 1800, entstanden ist.
1911 erhält der neue Friedhof seinen Wasseranschluss. Der nach seiner Erweiterung hinzugekommene obere Friedhofsteil wird 1952 erstmals belegt. Weil es an Geld und Material fehlt, muss die Gemeinde noch bis 1955 auf ihre Leichenhalle warten.
Von alters her unterhält die Kirchgemeinde ihre Pfarrstelle in Form von Geld- und Naturalabgaben (Getreide, Federvieh usf.) selbst. Sie vereinnahmt Gebühren für Leichenpredigten und erhält bei Kindtaufen die obligatorischen "zwei Kuchenteile und das Maß Wein". Die Boineburgs liefern das Brennholz kostenlos und mit 5 Maß Korn ist auch die Reismühle am Haushaltsplan der Pfarrstelle beteiligt.
Zur Pfarrei gehört seit eh und je landwirtschaftlicher Grundbesitz, der von Bauern des Dorfes für den Pfarrhof, später von Pächtern bewirtschaftet wird. Dass der Pfarrer sich gelegentlich mit geschulterter Mistgabel und langen Stiefeln im Dorf sehen lässt, ist nichts Ungewöhnliches. Das im Pfarrhof vorhandene kleine Scheunengebäude ist heute noch ein Zeuge aus dieser Vergangenheit.
Grundeigentümer ist die Pfarrei bis heute geblieben. 1930 verkauft sie ihre Hutrechte, 1934 gegen eine Ablösesumme von 200 Mark ihr Eigentumsrecht am "Hopfengarten" an die Gemeinde. Was an landwirtschaftlichem Grundbesitz zurückbleibt, wird heute, mit dem Rat des Kreises als Pächter, von der LPG Pflanzenproduktion Dermbach bewirtschaftet.
Ihre Vermögensangelegenheiten verwaltet die Kirchgemeinde von Anfang an selbst. Noch bis 1920 ist dafür der s. g. Heiligenmeister verantwortlich. Aus der langen Reihe der Inhaber dieses Kirchenamtes seien aus dem Jahr 1818 Johann Dietrich Baumbach und aus dem Jahr 1822 Simon Hehl genannt.
Kirche und Pfarrhof zählen zusammen mit dem Schafhof und seinen z. T. bis in unsere Tage erhalten gebliebenen Gebäuderesten (Gewölbekeller H. Borchardt) sowie dem Ensemble seiner aus Sandstein gehauenen Tür und Torpfosten, Gehwegplatten, Mauerquadern und Treppen zum ältesten Ortsteil von Gehaus.
Im alten Friedhof unseres Dorfes, zum Schloss hin in die alte Kirchhofsmauer eingelassen, weist der Kopfstein einer kleinen, schießschartenähnlichen Maueröffnung auf das Jahr 1682 hin, der vermutlichen Bauzeit der Kirchhofsmauer. Die Jahreszahl könnte aber auch etwas mit der an gleicher Stelle errichteten alten Gutsscheune zu tun haben.
Zerbrochenes Mauerwerk, zurückgeblieben vom Abbruch des alten Scheunengebäudes, von Efeu überwucherte Mauerpforten, Reste alter Begrenzungsmauern, das vom Alter gezeichnete Antlitz des alten Gutshofes mit dem Schloss als ehemaligem Herrensitz vervollständigen das Bild der historischen Kulisse unseres Dorfes.
Vieles daraus ist längst verschwunden, so wie die Sanduhr auf der Kanzel in der Kirche, die den Kirchgängern einmal die Zeit des Gottesdienstes anzeigte. Was heute übrig geblieben ist, sollte es wert sein, als letztes Stück altes Gehaus in unsere Obhut genommen zu werden.
1902 erhalten Pfarrhof und Kirchenvorplatz ihre schmiedeeisernen Tore. Wir verschließen sie hinter uns, verabschieden uns gleichzeitig aus einem Kapitel Dorfgeschichte, nicht jedoch, ohne noch seine letzte Seite aufzuschlagen.
Vom Gebirgsschlag des 13. März 1989 betroffen, kommt es insbesondere am Kirchturm (an der rückwärtigen Kirchenwand in geringerem Umfang) zu Rissen im Mauerwerk.
Weil die Schäden nicht gerade ernsthafter Natur sind, will man mit einer Verankerung des Mauerwerks als Instandsetzungsmaßnahme zunächst einmal auskommen.
Ausgedient und zum Veteranen geworden, wird im gleichen Jahr der über 200 Jahre alte Glockenstuhl ausgewechselt und durch einen neuen ersetzt.