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Park, Erbbegräbnis & Sanssouci


29.08.2010

Inhalt:


Literatur:
siehe Gehaus bis 1900



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Dr. Goetz Boyneburg zeigt seiner Tochter Désirée die Grabkapelle und den Begräbnisplatz der Boineburgs

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Bilder:

Abb. 1: Links schlängelt sich ein stinkendes trübes Rinnsal, genannt „Schwarze Oechse“ in den Schlosspark, rechts sieht man den Parkteich


Abb. 2: Floßfahrt auf dem Parkteich zur 650-Jahr-Feier


Abb. 3: Weide an der Schwarzen Oechse


Abb. 4: Die fast Schwarze Oechse schlängelt sich stinkend durch die Parkwiesen


Abb. 5: Versteckte Brücke über die Schwarze Oechse


Abb. 6: Sitzplatz an unserem Rodelhang der Kindheit


Abb. 7: Wege im Park

Abb. 8: Romantische Wildnis


Abb. 9: Die Pyramideneiche, dahinter der Schlossteich


Abb. 10: Wirtschaftsgebäude, Schlossturm und Park


Abb. 11: Lagerfeuer im Schlosspark während der 650-Jahr-Feier


Abb. 12: Der blühende Mandelbaum(?), dahinter der Schlossturm


Abb. 13: Die Friedhofskapelle im Schlosspark


Abb. 14: Die Friedhofskapelle im Schlosspark


Der Schlosspark (sh. auch mein Weblog)

Der Schlosspark ist die angenehmste Hinterlassenschaft der Grafen von Boineburg und Lengsfeld. Hierher zogen wir Kinder im Winter zum Schlittenfahren, oft in kurzen Hosen und dicken schafwollenen Strümpfen über den Beinen, die von Strumpfhaltern an einem Leibchen vor dem nach unten Rutschen bewahrt wurden. Nach einigen Abfahrten waren die Strümpfe mit kleinen Eisklümpchen übersät, die an den Wollfasern wie winzige Christbaumkugeln hingen. Zu Hause angekommen schmolzen diese in der warmen Stube, doch nach dem Strümpfe wechseln hatten wir wieder warme Beine und Füße - geschadet hat es dann nicht. Auch im Sommer spielten wir als Kinder gerne im Park.
Als Schulklassen haben wir oft die Parkwege bei Sonderaktionen gepflegt, der  Dorfspaziergang am Sonntagnachmittag ließ selten den Park aus, Abb. 1 hat Paul Gerstung, er war unser Nachbar,  bei einem solchen Spaziergang geknipst.
Heutzutage wird beim Sommer-Spaziergang an der „Schwarzen Oechse“ die Nase von den Düften billiger Entsorgung der Abwässer aus den Ställen der Agrargenossenschaft geplagt. Schon in unserem Garten hat die „Schwarze Oechse“ eine Färbung die fälschlicherweise glauben lässt, sie habe ihren Namen erst seit Bestehen der Rinderställe am „Alten Weg“ erhalten.

Wenn auch für uns, die späten Gehauser, als historische Erben bestimmt nicht gedacht, entsteht 1868 unter den Händen von 20 Arbeitern aus dem Dorf bei einem Lohn von 10 Silbergroschen pro Tag der herrschaftliche Park. Dieser Preis, den die Boineburgs damals zahlen, ist ungewöhnlich hoch und bei den damaligen Arbeits- und Lebensverhältnissen für die Beteiligten ein wahrer Glücksfall. Das Parkgelände, Ein 5 ha großes Areal, wurde ursprünglich mit seinem Buschwerk und den wenigen Bäumen, die darauf wachsen, als Schafhut genutzt. Mitte bis Ende des 17. Jh. beginnen die Boineburgs damit, für ihre höchst persönliche Erbauung, dieses Stück Natur durch die Anlage von Wegen und gärtnerische Gestaltung Zug um Zug zu kultivieren.
Anlegen ließ unseren heutigen Volkspark der 1882 verstorbene Sigismund Graf von Boineburg. Als dessen Nachfolger nutzt ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1932 der „alte Graf“ (Carl Sigismund von Boineburg). Für die Gehauser ist der Park, inzwischen rundherum durch einen Zaun umfriedet, nicht zur Erholung gedacht – sie hatten nur für Pflegedienste Zutritt.
Mit seiner Baumkulisse, den weiträumig angelegten Grünflächen, dem kleinen Fischweiher, dem Lauf der „Schwarzen Oechse“ und ihren beiden Brücken, (eine zweite kleinere Brücke gab es damals zur Mühlwiese hin) sowie dem Labyrinth der Promenadenwege ist der Park in seiner architektonischen Gestaltung die Nachbildung eines englischen Landschaftsparkes. Seine direkte Fortsetzung ist die von Eichen und Erlengehölz umsäumte Mühlwiese, auf der irgendwo und irgendwann sich mal ein Mühlrad gedreht haben muss.
Was dieses Stück Erde besonders auszeichnet ist sein Reichtum an einheimischen und fremden, teils exotischen Gehölzen mit ihrer Blätter- und Blütenpracht. Zu Riesen, in den Himmel hineingewachsene, mächtige Bäume faszinieren den Besucher.
Da sind als Rarität der tropische Tulpen- sowie der Mandelbaum (?), ersterer mit seinen leuchtend gelben, letzterer mit dem Schmuck seiner rosarot-violetten Blüten.
Einzeln, in Gruppen oder größeren Beständen zusammenstehend, geben sie der Parklandschaft ihr unverwechselbares Gepräge: die Kiefern, Lärchen und Akazien; Platanen, Eichen und Robinien; Trauerbuche, Traueresche und Blutbuche, Coloradotanne und Wymouthkiefer, weiß und rot blühende Rosskastanie (die ehemals vorhandene Marone/essbare Kastanie); die Pyramideneiche; Ahorn, Erle und Silberlinde sowie, entlang des Gartenweges und von unserer Schule gepflanzt (um 1960), der heute seine Blütenpracht entfaltende Rotdorn .
Der Park - ein Erbe unseres Dorfes, das wir nicht aufgeben sollten.

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Das Erbbegräbnis

Wie bereits in „Die Dorfkirche“ erwähnt, ist die unter dem Altarraum der Kirche befindliche Gruft mit hoher Wahrscheinlichkeit Ruhestätte der ersten in Gehaus ansässigen Boineburgs.
Ruhestätte für die nachfolgenden Generationen ist mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit das von den Boineburgs gegenüber dem Schloss im heutigen Garten des Erhard Baier angelegte Gruftgewölbe. Wie dabei der Standort von Sanssouci exakt einzuordnen ist, muss leider vorerst offen bleiben.
Bei dem Begräbnisplatz handelt es sich um eine gärtnerisch gestaltete, friedhofsartige Anlage. Flankiert von einer lebensgroßen Sandsteinfigur (unbekannter Identität) führt von der Hohle (Vachaer Strasse) her eine Sandsteintreppe und weiter ein mit Sandsteinplatten ausgelegter Gehweg zum Eingang der Gruft, in die man über mehrere Treppenstufen hinab steigt. Es ist eine großräumig angelegte Totenstätte, manch neugierigem Gehauser noch heute in guter Erinnerung.
Mittelpunkt der Begräbnisstätte damals ist das aus schwarz grauem Marmor bestehende Grabdenkmal des Heinr. Wilh. Carl von Boineburg (1757 - 1825) und dessen Ehefrau Auguste Sophie Freifrau v. Boineburg, geborene von Götz (1763 - 1803). Heute trauert das Epitaph hinter der Kirche am alten Friedhof, halb schon verwittert, seinem langsamen Untergang entgegen.
Als man nach 1945 die Gruft von Skelettresten und Totenschädeln räumt, werden die Gehauser auf makabre Weise noch einmal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Die Gruft wird anschließend zugeschüttet.
Der im Schlosspark angelegte Familienfriedhof ist der Begräbnisplatz der letzten drei Generationen der Gehauser Boineburgs. Es sind zwei Doppel- und drei Einzelgräber, Grabstätten, inzwischen von Wildwuchs überwuchert und von der Geschichte fast schon vergessen.
In direkter Nachbarschaft zum Erbbegräbnis lässt Albert Graf von Boineburg die Friedhofskapelle errichten. Tag der Grundsteinlegung ist der 5. August 1882, Tag der Einweihung der 25. August 1887.

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Sanssouci

Nur den Namen hat dieses verschwundene Palais mit dem Sanssouci in meinem Wohnort Potsdam gemein. Als Sommerwohnung vorgesehen, wird das Gehauser Sanssouci in den Jahren 1816 bis 1818 von dem Kunst liebenden Heinrich Wilhelm Carl von Boineburg erbaut. Nach Knips' „Amtsgeschichte“ ist er einer der gastfreundlichsten Edelmänner, der sich glücklich fühlt, gebildete Gäste um sich zu haben, denen er Bauten und Gartenanlagen zeigen kann.
Ebenso nach Knips ist das Gebäude im Inneren künstlerisch anspruchsvoll gestaltet. Nach außen beeindruckt die zur Straßenseite hin offene Säulenhalle mit ihren Freskomalereien an der Rückwand, wie es heißt, „ein erfreulicher Anblick für den Vorübergehenden“.
Allen Umständen nach muss Sanssouci in der heutigen Oberen Gasse auf dem Garten- und Hausgrundstück der Familien Baier bzw. Müller seinen Platz gehabt haben. 
Das Bauwerk, in italienischem Stil errichtet, wird abgebrochen (oder fällt einem Brand zum Opfer?). Zwei der ehemals dort aufgestellten dorischen Holzsäulen überstehen die Zeit und stützten im Hof der Familie Grunst in der Oberen Gasse (Haus-Nr. 4) den dort vorhandenen Dachüberbau bis dieser einem Neubau weichen musste.

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